Rush-hour rund um den Fürstensee – reicht der Platz für Radfahrer noch aus?

ADFC Starnberg Tutzing Radtouren

Bürgermeister Patrick Janik mit den Radlern am Bahnhof Starnberg

v. l.: Martin Held (Tutzing), Kerstin Täubner-Benicke (Stadträtin Starnberg), Norbert Hornauer (Seeshaupt), Anton Maier (Feldafing) im Gespräch mit Rupert Steigenberger (Bürgermeister von Berg)

Bildmitte: Norbert Hornauer, Reinhard Weber und Bürgermeister Fritz Egold erläutern den ADFC-Radler/innen die Pläne der Gemeinde Seeshaupt

Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Mitte) und die ADFC-Radler/innen

Radler/innen aus den drei ADFC-Kreisverbänden vom Starnberger See haben zur Radtour „Rund um den Fürstensee“ der GWT Starnberg-Ammersee eingeladen. Vier erste Bürgermeister, zwei Stellvertreter und einige Gemeinderäte sind teilweise mitgeradelt und haben die Sorgen und Pläne der Seegemeinden mitgebracht. Am vergangenen Samstag hat der ADFC die Strecke und die Wegweisung der wichtigsten touristischen Radtour im Landkreis Starnberg untersucht. In den jeweiligen Gemeinden wurden die Bürgermeister und die Bürgermeisterin angefragt, wo Probleme und gute Lösungen für den Radverkehr bestehen. So berichtete Bürgermeister Patrick Janik in Starnberg von den zahlreichen Radlern/innen, die regelwidrig die den Fußgänger/innen vorbehaltene Uferpromenade am Bahnhof nutzen. Die Verbesserung der Wegweisung und eine bessere Sichtbarkeit des Radwegs am Gleis sind angedacht. Den Umbau der Einmündung der Perchastraße in die Münchner Straße mit der Radwegauffahrt kritisiert Anton Maier als gebaute Gefahr. Hier wird dem Radverkehr absichtlich ein 12cm hoher Bordstein in den Weg gestellt – Stürze sind zu erwarten. Ebenfalls gefährlich sind Sperrpfosten auf den Radwegen, welche unberechtigte Kraftfahrzeuge abhalten sollen. Wenn viele Radler und Fußgänger unterwegs sind, ist die Sicht auf diese Hindernisse verdeckt. Die weitere Fahrt nach Kempfenhausen führte durch den Schiffbauerweg, weil die Würmstraße wegen geparkter Fahrzeuge in östlicher Richtung nicht sicher befahrbar ist.

Beim Dampfersteg in Berg erwartete Bürgermeister Rupert Steigenberger die Radlgruppe. Er berichtete, dass sich die Radschutzstreifen auf der Perchastraße bewährt haben, nur der Seitenwechsel ist für Radelnde am Kreisverkehr und an der Aufkirchner Straße etwas schwierig. Der Kreisverkehr am Ortseingang reduziert erkennbar die Fahrgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge und verbessert so die Sicherheit in der Ortsdurchfahrt. Im Süden der Gemeinde wird der Lückenschluss des Radwegs nach Münsing leider erst bis 2024 mit der Fahrbahnerneuerung fertiggestellt. Die Uferstraße, die sich Fußgänger, Radler und Anwohnerautos teilen müssen, erfordert von allen etwas Rücksicht, macht aber wenig Probleme. Der Zweirichtungsradweg in Kempfenhausen, Perchastraße ist unfallträchtiger, weil unübersichtliche Einmündungen, unterschiedliche Geschwindigkeiten und viele Verkehrsteilnehmer auf dem engen Raum schwer aneinander vorbeikommen. Wenn hier die schnelleren Radfahrer/innen auf der Fahrbahn geführt würden, wäre die Gefahrsituation auf dem Gehweg deutlich entschärft.

Für die Gemeinde Münsing treffen die Radler den Gemeinderat Herrn Prof. Richter-Turtur und den Autor und Redakteur Manfred Hummel an der Fischerei Sebald in Ammerland.

Kleinere Probleme machen immer wieder Autos, die in die nur für Anlieger freigegebene südliche Seestraße einfahren und die Durchfahrt auf der schmalen Straße behindern. Der Dampfersteg und eine Schiffsverbindung nach Tutzing werden von den Ausflugsgästen immer wieder gewünscht. Die großen Sorgen bereiten die schmalen Gehsteige, fehlende Radwege und zahlreiche Lkw im Hauptort. Derzeit wird an einem großräumigen Verkehrskonzept für die Entlastung der Hauptstraße gearbeitet. Dort stehen breitere Gehwege und Überquerungshilfen für Fußgänger auf der Wunschliste. Eine Gefahr hat die Gruppe hier im Gemeindebereich gleich zweimal erleben müssen: Wo der Radweg über Parkplätze geführt wird, wird wenig auf den Radverkehr geachtet. Diese Wegstücke sollten umgebaut und entschärft werden.

Im weitläufigen Erholungsgelände Ambach war die Durchfahrt problemlos, weil noch wenige Badegäste vor Ort waren. Bei schönerer Wetterprognose gibt es hier sicher ähnliche Konflikte wie in Feldafing. Vor St. Heinrich wird der Radverkehr auf einen schmalen Kiesweg mit Fußverkehr geleitet. Ausweichen bei Begegnung von Fahrrädern und Fußgängern oder überholen ist hier nur eingeschränkt möglich.

In Seeshaupt wurde vor kurzem die Benutzungspflicht in der Fortsetzung dieses Weges aufgehoben, so dass auch hier die Fahrbahn benutzt werden darf. Ein Stück Radweg zumindest in Fahrtrichtung Osten ist auf der Südseite der Staatsstraße geplant, versichert der Bürgermeister von Seeshaupt, Fritz Egold. Radrouten in Richtung Penzberg und Weilheim sollen mit den Nachbargemeinden erarbeitet werden. Die weitere Fahrt um den See muss auf der Fahrbahn fortgesetzt werden, bis ab der Einmündung nach Seeseiten der Kraftverkehr auf die Umgehungsstraße westlich der Bahn geleitet wird. Hier plant die Gemeinde einen Zweirichtungsradstreifen auf der Fahrbahn, der später Teil einer Wegführung nach Weilheim werden könnte. Anton Maier ist skeptisch, ob auf der bestehenden Fahrbahn ein sicherer Zweirichtungsradweg neben dem weiterhin zugelassenen Anliegerverkehr möglich ist. Insgesamt betrachtet der ADFC den Bereich vom Ende des Radwegs an der Staatsstraße bei St. Heinrich bis Seeseiten als Lücke.

Die weitere Tour durch den Park zum Kloster Bernried ist gut befahrbar. Frohe Kunde konnte Robert Schiebel, zweiter Bürgermeister von Bernried überbringen: Der schmale und unebene Weg von Höhenried durch die Lindenallee wird ergänzt durch einen befestigten breiten Weg westlich der Allee, womit die bisherigen Gefahrsituationen in der engen Allee beseitigt werden. Im Bereich des Klostergutes wird ebenfalls noch ein Stück Radweg für die durchgehende Seerunde benötigt.

In Unterzeismering trafen die ADFC-Radler/innen mit Marlene Greinwald zusammen und erörterten die Weiterführung nach Tutzing. Auf Tutzinger Flur ist keine bauliche Fortsetzung von der Lindenallee möglich, weil beidseits des Weges Naturschutz besteht. Die Bürgermeisterin plädierte für den asphaltierten Radweg an der Staatsstraße nach Bernried für den Alltag und möchte den bestehenden Weg für Fußgänger und langsame Radler/innen beibehalten. Direkt in Unterzeismering war die Wegweisung für den Radverkehr unklar. Nach Tutzing sollte der Freizeitradverkehr durch den Ort zum Johannishügel fahren und für die schnellen Radler/innen ein Radweg oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn eingerichtet werden. Martin Held: Es ist wichtig, dass die Verbesserungen, die mit dem Umbau der südlichen Hauptstraße in Tutzing erreicht werden, ihre Fortsetzung in einer guten Radverkehrsanlage nach Unterzeismering finden.
Für das nördliche Westufer ist die seenahe Route überwiegend von Badegästen bevölkert, so dass zusätzlich eine schnelle Radroute an der St. 2063 auf geschützten Radwegen notwendig ist, um Konflikte mit den anderen Nutzern des Seeufers zu vermindern. Aufgrund der örtlichen Verhältnisse sind hier Kompromisse der Verkehrsarten nötig. Unerlässlich ist eine gute Radwegweisung, die beide Varianten deutlich unterscheidet und die Fußgängerbereiche ausweist.

Maximiliane Gerber, dritte Bürgermeisterin von Feldafing schilderte die Probleme der durchfahrenden Radler/innen im Park und am Parkplatz des Strandbads. Fußgänger, Ein- und Ausparken von Kfz und die stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten des Radverkehrs erfordern Rücksichtnahme von allen Beteiligten. Eine Verlegung einzelner Funktionen ist hier schwierig. Hoffnung gibt die dieses Jahr von der Gemeinde Pöcking beauftragte Machbarkeitsstudie für einen Radweg an der St. 2063, der die Lücke vom Radwegende beim Golfclub Feldafing bis zum unteren Seeweg in Starnberg einmal schließen soll.

Anton Maier
Kreisvorsitzender ADFC-Starnberg

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