Befragung der Bürgermeisterkandidierenden in Gilching 2026
Der ADFC-Gilching hat allen Kandidierenden für die Erste Bürgermeisterin / den Ersten Bürgermeister bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 allgemeine Fragen zum Radfahren sowie zum Radverkehr in der Gemeinde Gilching und insbesondere zum kürzlich vorgestellten Integrierten Mobilitätskonzept (siehe Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie
und Verkehr vom 3.11.2025) gestellt. Folgende Kandidaten haben wir befragt (Namen alphabetisch sortiert):
- Melanie Kude (Bündnis 90 / Die Grünen)
- Roland Schrafstetter (CSU)
- Stefan Siegl (Freie Wähler)
- Steffi Weller (SPD)
Wir möchten uns bei allen Kandidierenden herzlich bedanken, dass sie sich dafür die Zeit genommen haben.
Die Antworten wurden nur minimal redaktionell geändert.
1. Sind Sie in Gilching oder sonst mit dem Rad unterwegs? Und wenn ja, wie oft/zu welchem Anlaß?
Melanie Kude (Grüne)
Ich bin regelmäßig innerhalb von Gilching mit dem Rad unterwegs, meistens um vom Altdorf zur S-Bahn zu pendeln, Erledigungen zu machen oder Freunde bzw. Familie zu besuchen. Die Häufigkeit ist etwas vom Wetter abhängig, im Schnitt etwa 3-5 Mal wöchentlich. Von Frühling bis Herbst bin ich fast täglich mit dem Radl unterwegs.
Roland Schrafstetter (CSU)
Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Ja, ich bin regelmäßig und leidenschaftlich mit dem Rad in unserer Gemeinde unterwegs. Außerhalb der Wintermonate erledige ich einen Großteil meiner Wege in ganz Gilching bewusst mit meinem Lastenrad. Ob es der Weg zu Terminen, der Wocheneinkauf oder der Ausflug mit meinem gehbehinderten Hund ist – mein Rad ist für mich ein zentraler Baustein meiner persönlichen Mobilität.
Für mich sind diese Fahrten aber mehr als nur Fortbewegung. Sie sind mein regelmäßiger Realitäts-Check. Jede Tour durch unsere Gemeinde zeigt mir unmittelbar, wo unsere Radinfrastruktur bereits gut ausgebaut ist, aber vor allem, wo die Herausforderungen liegen. Ich erlebe selbst, wo Radwege abrupt enden, wo Kreuzungen unübersichtlich sind oder wo sichere Abstellmöglichkeiten fehlen. Meine persönliche Erfahrung als Radfahrer ist daher der stärkste Antrieb für mein politisches Ziel: Gilching fahrradfreundlicher zu machen.
Aus meiner Sicht als CSU-Bürgermeisterkandidat geht es dabei nicht um Ideologie, sondern um pure Vernunft und eine Steigerung der Lebensqualität für alle. Der Radverkehr ist eine tragende Säule in einem intelligenten Mobilitätsmix der Zukunft. Er ist gesund, umweltfreundlich und entlastet unsere Straßen.
Stefan Siegl (FW)
Hauptsächlich von Frühjahr bis Herbst bin ich nahezu täglich auf dem Radl. Kleinere Einkäufe wie in der Früh zum Bäcker, zum Sport oder auch zu Feuerwehreinsätzen. Ergänzend zu Familie und Freunden in Gilching und um Gilching herum. Gerne auch zum Baden an den Ammersee oder Wörthsee. Als es beruflich noch möglich war, bin ich gerne knapp 19 km in die Arbeit geradelt.
Steffi Weller (SPD)
Ich fahre in meiner Freizeit gerne Fahrrad.
2. Für das im November 2025 vorgestellte Integrierte Mobilitätskonzept der Gemeinde Gilching wurden u.a. die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs und die Förderung der Mobilitätsqualität für Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger als Ziele gesetzt. Wollen Sie diese Zielsetzungen ebenfalls verfolgen?
Melanie Kude (Grüne)
Nur wenn wir das Unterwegssein mit dem Rad und zu Fuß so sicher und komfortabel wie möglich machen, werden die Menschen innerorts auf das Auto verzichten. Daher ist eine Verbesserung der Mobilitätsqualität in diesem Bereich für mich unverzichtbar.
Roland Schrafstetter (CSU)
k.A.
Stefan Siegl (FW)
Ja, das ist mir persönlich ein besonderes Anliegen. Im Fokus steht für mich immer der Grundsatz Angebote zu schaffen. Angebote und Alternativen, statt Verboten. So kommen wir in der Gemeinschaft voran und erreichen eine sehr hohe Akzeptanz in unserer Bevölkerung.
Steffi Weller (SPD)
Ja, unbedingt. Es wird Zeit, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt am Straßenverkehr teilnehmen können.
3. Welche drei Radverkehr-Maßnahmen aus dem Integrierten Mobilitätskonzept würden Sie als erstes umsetzen?
Melanie Kude (Grüne)
Ich würde als erstes Maßnahmen umsetzen, die kostengünstig realisierbar sind. Das sind die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Herbststraße (Punkt 2.2) zur besseren Anbindung der Waldkolonie, die Umgestaltung der Unterführung Starnberger Weg mit Aufhebung des Zweirichtungsradwegs (Punkt 2.4) und die Einrichtung der Fahrradstraßen Orion und Sirius (Punkt 2.3) als wichtige Schulwegachse.
Roland Schrafstetter (CSU)
k.A.
Stefan Siegl (FW)
Priorität haben Maßnahmen, die schnell und ohne große Kosten umgesetzt werden können. Es müssen nicht nur Maßnahmen aus dem Mobilitätskonzept sein. Als regelmäßiger Fahrradfahrer kennt man die gefährlichen Stellen. Diese können schnell und günstig sicherer gemacht werden. Ein konkretes Beispiel ist die Kurve Münchner Straße in Am Römerstein Richtung Römerstrasse.
Aus dem Mobilitätskonzept sind einfach und schnell zusätzliche Radabstellanlagen umzusetzen. Ob an der Römerstrasse oder Einzelhandelspunkten, sowie an Bushaltestellen. Radabstellmöglichkeiten sind für die Anbindung an den ÖPNV wichtig. Ich bin alle Bushaltestellen abgefahren. Nur an den Bahnhöfen gibt es hier auch größere (und überfüllte) Radabstellanlagen. An allen anderen gibt es nur bei zwei die Möglichkeit und diese sind nicht überdacht.
Innerhalb unserer Gemeinde brauchen wir die im Mobilitätskonzept empfohlene Verbesserung der Netzstruktur. Diese dient dazu, im gesamten Gemeindegebiet sicher mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.
Als inter- und intrakommunale Achse ist mir die Verbesserung der Führung in der Landsberger Straße besonders wichtig.
Steffi Weller (SPD)
- Sicherheit der Radfahrer erhöhen, beispielsweise durch ein Tempolimit an unübersichtlichen Stellen.
- Ich wünsche mir mehr Abstellmöglichkeiten (moderne Fahrradständer) für Gilching.
- Wir benötigen mehr ausgewiesene Fahradwege.
4. Welche drei komplexeren Maßnahmen (nicht nur Radverkehr) aus dem Integrierten Mobilitätskonzept würde Sie gerne mittel oder längerfristig umsetzen?
Melanie Kude (Grüne)
Die Einführung einer Schulstraße im Bereich Talhof-/ Uranusstraße und Frauwiesenweg (Punkt 4.2) und die Umgestaltung des Kreisverkehrs Starnberger Weg/ Karolinger Str. (Punkt 4.3) sind für mich wichtige Themen, die nicht nur den Radverkehr betreffen.
Mein langfristiges Ziel wäre die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs in der Römerstraße (Punkt 1.4), wobei dies nicht ohne vorbereitende und flankierende Maßnahmen möglich ist, wie der Verbesserung der Netzstruktur für Fuß- und Radverkehr (Punkt 1.1 und 2.1) und der Änderung der Verkehrsführung Römer-/ Landsbergerstr. (Punkt 4.3).
Die Einführung eines Ortsbusses (Punkt 3.1) komplettiert meine Vision von einem Gilching, das Mobilität für alle bietet und damit Stau reduziert.
Roland Schrafstetter (CSU)
k.A.
Stefan Siegl (FW)
So wie wir in unserer Gemeinde ein Netz aus Radwegen schaffen müssen, gilt es uns mit umliegenden Gemeinden zu vernetzen. Viele Pendler (und ich habe das selbst über viele Jahre gemacht) fahren auch größere Strecken mit dem Rad – wenn es möglich ist. Daher möchte ich das Alltagsroutennetz umsetzen. Mit zwei zentralen Achsen Starnberg – Fürstenfeldbruck. Und Germering – Herrsching, entlang der S-Bahn.
Eine temporäre Schulstrasse im Bereich der Talhofstrasse möchte ich unterstützen. Dazu auch ähnliche und praktikable Lösungen für Kindergärten und Horten. An denen zu den Bring- und Holzeiten oft unübersichtliche und gefährliche Verkehrssituationen für alle Teilnehmer entstehen.
Die Einrichtung von Mobilitätsstationen soll zukünftig die Möglichkeit schaffen, Arbeitswege vollständig unabhängig von privaten Pkw zurücklegen zu können. Und damit das Kfz-Verkehrsaufkommen in der Gemeinde zu reduzieren.
Ein Ortsbus oder ein MVV-RufTaxi, eingebunden in das MVV Tarifsystem, können eine bedarfsoptimierte Lösung innerhalb von Gilching sein. Einkäufe oder Arztbesuche können dann auch aus Gebieten wie z.B. der Waldkolonie ohne eigenen PKW einfach und kostengünstig erledigt werden.
Und für mich ganz wichtig: Information und Kommunikation. Nur zusammen mit allen Gilchingerinnen und Gilchingern können wir die Maßnahmen umsetzen. Mit Information und Kommunikation erreichen wir Verständnis und Akzeptanz für die zukünftigen Maßnahmen.
Steffi Weller (SPD)
Wir könnten die Sicherheit der Kinder erhöhen, in dem wir beispielsweise nur Radfahrer und Fußgänger direkt vor Schulen zulassen.
Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass alle Verkehrsteilnehmer auf unseren Straßen sicher sein können und sich nicht beeinträchtigt fühlen (Inklusion). Daher müssen wir u.A. für mehr Barrierefreiheit sorgen.
Für einige Menschen, beispielsweise für ältere Menschen, ist die Erreichbarkeit zum Ortskern oder zu Einkaufsmöglichkeiten, dem Arzt derzeit nicht optimal. Daher würde ich mich für einen Ortsbus stark machen.
5. Die Römerstaße ist eine Hauptachse durchs Zentrum in Gilching mit viel Autoverkehr. Wie zuletzt das Fahrradklima-Test 2024 ergab, fühlen sich hier Radfahrende unsicher. Können Sie sich kurzfristige Umsetzung bestimmter Maßnahmen (wie z.B. von ADFC Gilching vorgeschlagene Radfahrstreifen (Link) ) vorstellen, die hier Verbesserung schaffen?
Melanie Kude (Grüne)
Die Römerstraße muss für Radfahrende unbedingt sicherer werden, das kann ich aus eigener Erfahrung nur befürworten. Dafür benötigt es Radfahrstreifen in Verbindung mit Tempo 30. Wegen der hohen Anzahl an KfZ-Stellplätzen in der Ortsmitte muss noch genau geprüft werden, ob die Radfahrstreifen überall 1:1 wie vorgeschlagen umgesetzt werden können.
Roland Schrafstetter (CSU)
Wir als CSU stehen für ein intelligentes Mobilitätskonzept, das auf den Grundpfeilern von Technologieoffenheit, Vernunft und echter Wahlfreiheit für unsere Bürgerinnen und Bürger ruht. Unser Ziel ist es, die vielfältigen Bedürfnisse der Menschen ernst zu nehmen und für jede Lebenslage und jeden Weg das passende Angebot zu schaffen – ein flexibles Miteinander aller Verkehrsträger statt ideologischer Verbote.
Dem vorliegenden Entwurf (2025.11.17_-_P503144_Dokumentation.pdf) [Redaktion: ein Link zu dem genannten Dokument war nicht vorhanden] fehlt genau diese strategische Vision. Anstelle eines ausgewogenen Gesamtplans sehen wir ein unkoordiniertes Sammelsurium von Einzelmaßnahmen. Gilching braucht aber einen großen Wurf für die Zukunft, kein Stückwerk. Wir setzen uns für ein Konzept ein, das die Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Stefan Siegl (FW)
Die Römerstraße nutze ich als Radfahrer selbst regelmäßig. Als Herausforderung sehe ich die unterschiedliche Ausgestaltung von Parkflächen für KFZ – längs, schräg und quer. Dazu noch zahlreiche Kreuzungen, Ausfahrten und Einmündungen. Gerade untertags ist die Geschwindigkeit der KFZ durch den Verkehr oft nicht schneller als 30 bis 40 km/h. Man kann sich also bereits jetzt ein gutes Bild machen, wie der Verkehr mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung aussieht.
Für den Handel in der Römerstrasse ist die Erreichbarkeit per KFZ absolut notwendig. Ebenfalls für Seniorinnen oder Senioren, sowie Menschen, die aus anderen Gründen auf ein KFZ angewiesen sind.
Radfahrstreifen können eine Ordnung des Raumes unterstützen. Langfristig muss es aber durch bauliche Maßnahmen zu einer Neuordnung des Raumes kommen. Damit alle Verkehrsteilnehmer sicher unterwegs sind.
Steffi Weller (SPD)
In meinen zahlreichen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern wurde mir häufig die Sorgen bezüglich der Römerstraße genannt. Ich werde mich daher dafür einsetzen, dass wir kurzfristig eine gute, praktikable Lösung finden und dass das gute Mobilitätskonzept, welches von Fachleuten erstellt wurde, umgesetzt wird. Darin enthalten sind auch gute Lösungen für die Römerstraße.
Und zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung von mir: Ich freue mich darüber, dass in Gilching verhältnismäßig viele Bürgerinnen und Bürger ihr Auto stehen lassen und mit dem Radl fahren! Dies war eine Erkenntnis aus dem Mobilitätkonzept. [Redaktion: Diese Anmerkung freut uns sehr. Und es würde uns umso mehr freuen, wenn auch alle gilchinger Politiker un Politikerinnen es so wahrnehmen würden.]


