Befragung der Bürgermeister-Kandidaten in Gauting 2026

Der ADFC Gauting hat anläßlich der Kommunalwahl 2026 den vier Bürgermeister-Kandidaten einige Fragen zum Radverkehr in der Gemeinde gesandt. Wir wollten die Gelegenheit nutzen um zu erfahren, welche Vorstellungen die Bewerber haben und wie eine Weichenstellung zur Radl-Zukunft in unserem Ort aussehen könnte.

Fragen ergingen an:

    Herrn Stefan Berchtold (MfG),
    Herrn Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen),
    Herrn Maximilian Platzer (CSU),
    Herrn Harald Ruhbaum (MiFü 82132),

Von 2 Kandidaten bekamen wir eine Rückmeldung. Wir möchten uns vielmals bedanken, dass sie sich die Zeit genommen haben. Wir stellen die Antworten gerne auf unsere ADFC-Homepage.

Die Antworten wurden nur geringfügig redaktionell geändert.


Frage 1:
Sind Sie in Gauting oder sonst mit dem Rad unterwegs? Und wenn ja, wie oft/zu welchem Anlaß ?


Stefan Berchtold (MfG):

Ja, bin ich, ich bin aber kein echter Vielradler. Ich nutze ein e-bike in meiner Freizeit. Auf dem Weg zur Arbeit sammle ich mit dem Auto meine Mitarbeiter ein, deshalb selten mit dem Fahrrad. Wir haben in der MfG aber sehr engagierte Radler, unter anderem einen Vertreter des ADFC. Daher wissen wir, wie groß der Handlungsbedarf vielerorts noch ist.

Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen):

Das Rad ist für mich das Hauptverkehrsmittel zu jeder Jahreszeit. Jährlich ergeben sich für mich ca. 10 000 Kilometer auf dem Rad da ich zur Arbeit in Neubiberg mit dem Rad pendle. In Gauting ist das Rad für mich das schnellste Verkehrsmittel. Oft kann man kürzere Wegbeziehungen nutzen als mit dem PKW. Parkplatzprobleme gibt es nicht.  Das Auto benutze ich in Gauting und Teilorten nur selten und im Ausnahmefall.


Frage 2:
Gauting hat ein Gesamt-Mobilitäts-Konzept (2021).
Werden Sie als Bürgermeister Ideen aus dem Konzept weiterverfolgen ? Wenn ja - welche ?


Stefan Berchtold (MfG):

Wir müssen in Gauting angesichts der Kassenlage zum einen kleine, pragmatische Lösungen suchen (da waren wir in der letzten Legislatur unter anderem an einer interfraktionellen Arbeitsgruppe beteiligt, die kritische Punkte mit dem Fahrrad abgefahren und Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert hat).
Daneben dürfen wir aber den Blick auf die Gesamtsituation nicht vergessen, und da kann das Gesamt-Mobilitäts-Konzept helfen. Wir müssen ja auch die Situation für die Radfahrer verbessern – aber auch für die Fußgänger gibt es viel Verbesserungsbedarf, und für viele Gautinger ist nicht nur wegen des Bahnhofsbergs und der Altersstruktur das Auto ein wichtiger Teil der Mobilität. Das Miteinander muss besser organisiert werden – und die Alternativen zum Auto müssen attraktiver und sicherer werden. In dem Konzept spielen auch Tempo 30 und Fahrradstraßen eine wichtige Rolle. Viele Gautinger wünschen sich Zonen für ihr Wohngebiet oder den Schulweg ihrer Kinder (sind aber nicht immer dafür, wenn es um andere Wohngebiete geht).

Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen):

Es steht an: eine Ausweitung der Tempo 30 Zonen für ruhigeren Verkehrsfluss und mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. Trotz der Finanzsituation sollte an Lückenschlüssen im Rad- und Fussnetz gearbeitet werden (z.B. Oberbrunn - Unterbrunn, Königswiesen - Hauser Kreuzung, Unterbrunn - Stockdorf, Königswiesen - Asklepios und - last but not least - ein Radweg Unterbrunn - Wessling). Die Querungsmöglichkeiten für Radfahrer und Fussgänger müssen dringend verbessert werden.

Über das Verkehrskonzept hinaus muss an sanften Eingriffen gearbeitet werden um die komplexe Situation in der Bahnhofstrasse zu entschärfen und einfacher zu machen.


Frage 3:
Im energie- und klimapolitischen Leitbild von 2022 bemüht sich die Gemeinde Gauting (entsprechend der Initiative RadlLand Bayern der Bayerischen Staatsregierung), den Modal-Split des Radverkehrsanteils am Gesamtverkehr auf 20% zu erhöhen (ursprünglich bis 2025).
Welche Maßnahmen planen Sie als Bürgermeister, um den Rad- und Fuß-Verkehr in Gauting zu stärken ?


Stefan Berchtold (MfG):

Wir brauchen mehr Mut, kleine Verbesserungsmaßnahmen zu realisieren (mehr Tempo 30, Einbahnregelung für Radfahrer aufheben, Fahrradstraßen). Aus der Bevölkerung wird zudem immer wieder der Wunsch nach mehr Querungshilfen wie Zebrastreifen an uns herangegangen. Gefahrenzonen müssen konsequenter angegangen werden (vor dem Edeka in Stockdorf, in Buchendorf und vor allem auch in der Gautinger Landstraße – eine Staatsstraße ohne Gehweg, in einer Richtung bergab und ohne Ausweichmöglichkeiten ist ein echter Gefahrenpunkt, zumal Schulkinder auf der Straße zum Bus gehen müssen.
Wir setzen uns zudem dafür ein, die Benutzungspflicht für den Geh- und Radweg in der Ortsdurchfahrt in Stockdorf aufzuheben (in der Ammerseestraße haben wir damit gute Erfahrungen gemacht). Für die Bahnhofsstraße müssen zudem sowohl am Berg als auch rund um den Bahnhofsplatz Ideen gesammelt werden, damit die Situation für Fußgänger (Querung, Gehwegradler bergab) und Radfahrer sicherer wird.

Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen):

Dazu gehören die Massnahmen unter 2). Weiterhin für den Fussverkehr Zebrastreifen und passende Querungshilfen (z.B. an der Verbindung Schulstraße - Schwimmbadviertel an der Starnberger Strasse oder aber am Bahnhof).  Bei regelwidrigen Radwegen gehört die Benutzungspflicht aufgehoben (Bahnhofstr. in Richtung Pippinplatz, Stockdorf an der Staatsstraße). Die Einbahnstrassen sollten für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet werden. D.h. anfangs werden es auf Grund der finanziellen Situation hauptsächliche niederschwellige und punktuelle Verbesserungen sein. Aber davon gibt es viele im Gemeindegebiet.

Leider laufen nach wie vor dem Rad- und Fussverkehr sowie der Schulwegsicherheit nicht förderliche Neubauprojekte wie z.B. der Ausbau STA3 in Königswiesen.

Langfristig und mit verbesserter Finanzsituation könnte man dann auch aufwändigere Projekte in Angriff nehmen. Zusätzliche Würmquerungen könnten helfen. Ebenso ist die Bahnhofstrasse ein Nadelöhr. Schön wäre es wenn man an den Würmhangkanten fahrbare Wege und Aufstiegsmöglichkeiten schaffen könnte. Dafür braucht es aber Geld.

Frage 4:
Schulwege sind ein wichtiges Verkehrsthema, in Gauting aber bisher kaum diskutiert.
Werden Sie sich als Bürgermeister dafür einsetzen, dass Schüler*innen selbständig + sicher + StVO-konform zur Schule und zurück kommen (können) ?


Stefan Berchtold (MfG):

Ich halte die Schulwegsicherheit fürein zentrales Thema der Gautinger Verkehrspolitik, zumal man überall, ob in Unterbrunn, in Stockdorf und natürlich auch Gauting darauf gestoßen wird. Zebrastreifen, Tempo 30 und Projekte mit den Eltern dahingehend, dass die Kinder selbstständig den Schulweg meistern halte ich für geeignete Maßnahmen. Auch Schülerlotsen am Busbahnhof können dazu beitragen.
Zudem wollen wir prüfen, wo Radrouten mit geringem Aufwand optimiert werden können (z.B. Weg zum Schwimmbad über die Schulstraße als Fahrradstraße?). Wir werden auch weiterhin den Dialog mit dem ADFC suchen und sind für neue Ideen offen.

Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen):

Absolut !  Es ist ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit für die Schulkinder und eine Entlastung der Eltern !


Frage 5:
In Gauting gab es den Arbeitskreis Mobilitätswende.
Dieser stagniert seit 3 1/2 Jahren.
Werden Sie als Bürgermeister diesen wieder aufleben lassen ?


Stefan Berchtold (MfG):

Kann ich ehrlicherweise nicht beantworten. Wenn es Interessierte gibt, die ihn weiterführen wollen wäre das sicherlich bereichernd. Wir stehen bei der MfG für Bürgerbeteiligung, Transparenz und Dialog. Welche Einrichtungen dafür am besten geeignet sind, müssen wir zu Beginn der neuen Legislatur diskutieren.


Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen):

Eine Reaktivierung halte ich für sinnvoll.


Frage 6:
Die Planungen zu einer Radschnellweg-Verbindung Starnberg-Gauting-Planegg-München wurden eingestellt.
Würden Sie sich als Bürgermeister für die Wiederaufnahme einer (geänderten) Planung einsetzen ?


Stefan Berchtold (MfG):

Der Radschnellweg ist eine tolle Vision. Eine vollständige Umsetzung ist sicher nicht nur in Gauting schwierig – wegen hoher Kosten, rechtlicher Themen und Konfliktpunkten (z.B. Parkplätze). Man sollte da keine falschen Hoffnungen wecken. Die Planungen können aber eine gute Ideenbörse sein, bei der man sich ansieht, welche Abschnitte eventuell umsetzbar sind oder wie man entlang dieser Route die Situation mit kleinen Schritten verbessern kann.

Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen):

Die damals vorgelegte Planung war aus meiner Sicht überzogen. Zudem wurde stellenweise (Königswiesen) ganz anders geplant als es die Radschnellweg erfordert hätte. Daher war klar dass diese Planung nie kommen wird. Meines Erachtens gehört die Route aber nach und nach gestärkt und verbessert. Das kann in kleinen Schritten passieren wie etwas eine Asphaltierung der Steigung vom Mühlthal hoch zum Wasserreservoir des WZV.

Ob wir in neu in die Planung eines Radschnellweges neu einsteigen ? Wünschenswert wäre es aber es ist derzeit nicht unbedingt in Reichweite. Auf alle Fälle ist der damals angesetzte Standard kaum machbar. Sinnvoller ist ein Vorgehen mit Augenmass so wie z.B. auf der Verbindung Sauerlach - Diesenhofen - Harlaching.  

 

Frage 7:
Welche Anregung bzw. welche Wünsche haben Sie an den ADFC-Gauting ?


Stefan Berchtold (MfG):

Wir wünschen uns, dass der Dialog weitergeht und intensiviert wird. Wir freuen uns, dass der ADFC bei fast jeder Gemeinderats- und UEV-Sitzung unter den Besuchern vertreten ist, und freuen uns über jede Initiative, die den Radverkehr in Gauting voranbringt.
Es freut uns auch, dass nicht nur die Gefahren des Radfahrens herausgehoben werden. Man sollte die Menschen auch nicht abschrecken. Man kann auch in Gauting, wenn man sich auskennt, vielerorts recht sicher radeln. Da helfen auch die Touren des ADFC, das zu vermitteln.

Dr. Matthias Ilg (Bündnis 90/Die Grünen):

Ich wünsche mir einen offenen Austausch und Dialog. Auf die Vorschläge des ADFC bin ich gespannt. Und der ADFC kann der Gemeinde mit einer Vorsortierung der Wünsche und Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern sehr weiterhelfen.

 

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